Rosenstein-Gymnasium Heubach
 
Sunday, March 03, 2024

Chorbesuch unserer serbischen Partnerschule

Heubach, 09. November 2013

Faszinierende Botschafter slawischer Chormusik
Eine selten glückliche Eintracht aus serbischem Chor und deutschem Publikum


von Helmut Rössler
Ein derart konzentriertes und empfindungsfähiges Publikum wünscht sich jeder Chor, jedes Orchester. In der vollbesetzten Kirche Sankt Bernhard in Heubach gastierte der Schulchor des Gymnasiums „Jovan Jovanović Zmaj" aus dem serbischen Novi Sad. Was diese 54 jungen Stimmen aus der Partnerschule des Rosenstein-Gymnasiums an Einfühlsamkeit, harmonischem Zusammenklang, an Dynamik und Klangreinheit zu Gehör brachten, faszinierte jeden Zuhörer, gleichgültig, welcher Generation er angehört.
Sopran und Alt, einheitlich in bordeauxroten Kleidern, rahmten die Tenöre und Bässe ein und setzten jeden noch so feinen Impuls des Dirigenten Jovan Travica hörbar um. Man weiß nicht, was man an diesem Chor mehr bewundern soll: dass sie die sakrale Liedkunst der serbisch orthodoxen Kirche noch lebendig in sich tragen und von innen heraus mit Leben erfüllen oder dass sie in den heimischen Volksliedern und Volkstänzen noch wie selbstverständlich verwurzelt sind, so dass sie uns ungewohnte Taktwechsel mit einer Leichtigkeit bewältigen, die beeindruckt.
Man musste schon taub sein, um von diesem Ensemble nicht gefangen genommen zu werden. Aber selbst ein Tauber hätte an dem disziplinierten Auftritt - auch ganz wörtlich verstanden - seine Freude gehabt. Wie die 15-18-jährigen vom Eingang der Kirche an der Seite entlang nach vorne schritten und dann das Gesamtbild der konzentrierten Sängerinnen und Sänger, die jungen Herren in weißem Hemd und einheitlichem Anzug, den Raum beherrschten, war eine Augenweide. Dass sie bereits am Samstagnachmittag intensiv in der Kirche ihren siebzigminütigen Auftritt geprobt hatten, war zu hören und zu sehen. Die 15-stündige Autofahrt am Vortag und die Rückfahrt am folgenden Sonntag war vergessen, als sie mit „Tebe Pojem" (Dir singe ich, oh Gott) den ersten Teil des Konzerts eröffneten. Er war der serbisch-russischen orthodoxen Sakralmusik gewidmet. Die Zuhörer waren vom ersten Stück bereits derart ergriffen, dass sie intuitiv erfassten, dass Beifall hier zwischen den einzelnen Liedern die andachtsvolle Atmosphäre zerstören würde, die sich durch das zweite „Tebe Pojem" und eine Chorkomposition von Sergej Rachmaninov noch verstärkte. Erst als der junge Dirigent zur Seite trat, setzte ein nicht enden wollender Beifall ein.
Der Chor mit den glasklaren Mädchenstimmen und den wunderbar vollen und tiefen Bassstimmen folgte den klaren Gesten des Chorleiters konzentriert und in einem den Stücken angemessenen Ernst - „res severa verum gaudium" -, was sicher auch dadurch erleichtert wurde, das alle dreizehn musikalischen Darbietungen auswendig vorgetragen wurden. Dass diese Schüler ihre Musik mit Respekt und Ehrfurcht vortrugen, dass sie sich mit ihrer Musik identifizierten und aus vollem Herzen sangen, spürte jeder in der vollbesetzten Kirche. Man erfuhr am eigenen Leib, wozu gute und gut vorgetragene Musik fähig ist, weil hier jemand sang, der etwas zu sagen hatte, etwas mitzuteilen hatte, wobei es gar nicht wichtig war, in welcher Sprache gesungen wurde, ob auf serbisch, russisch oder lateinisch.
Als musikalische Botschafter ihrer slawischen Heimat trugen die serbischen Schüler in wohltuender Disziplin im zweiten Teil raffiniert arrangierte Chorwerke von Josquin des Prez, von bulgarischen und serbischen Komponisten vor. Jetzt durfte man die Sangesfreude und den rhythmischen Schwung, den Wechsel von pianissimo und fortissimo und den raumfüllenden Wohlklang der adaptierten slawischen Volkslieder und Volkstänze bewundern. Unbestrittener Höhepunkt war das letzte Lied, „Zorila" von N. Ostojić. Auf einen exakt eingehaltenen Siebenachteltakt folgte ein langer Teil, in dem der in acht Stimmen aufgeteilte Chor die ständigen Taktwechsel in den Achtachtel-, Zehnachtel und Zwölfachteltakt souverän bewältigte. Minutenlanger Beifall und „Standing Ovations" waren der lautstarke Dank eines überwältigten Publikums. Wie seit hundertdreißig Jahren wurde auch dieses Konzert mit der Schulhymne des „Jovan Jovanović Zmaj" beschlossen.