Rosenstein-Gymnasium Heubach
 
Tuesday, September 08, 2026

Vortrag von Ira Peter

Scham, Stolz, Identität: Russlanddeutsche im Blick von Ira Peter

Ira Peter liest und spricht am Rosenstein-Gymnasium über die Identität und Zugehörigkeit der Russlanddeutschen

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Rund 2,5 Millionen Russlanddeutsche leben in Deutschland, doch ihre Geschichte ist vielen kaum vertraut. Vor etwa 80 Schülerinnen und Schülern des Heubacher Rosenstein-Gymnasiums und der Schillerschule berichtete die Journalistin und Autorin Ira Peter von ihren Erfahrungen zwischen Fremdsein und Zugehörigkeit. 1983 in Kasachstan geboren und seit 1992 in Deutschland, kennt sie die Spannungen aus eigener Biografie. In ihrem Buch „Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen“ räumt sie mit Klischees auf: Russlanddeutsche seien weder eine geschlossene „Problemgruppe“ noch einheitlich geprägt von Russlandnähe oder konservativen Milieus. Vielmehr tragen viele die Folgen von Deportation, Diktatur und dem Verlust kultureller Identität bis heute mit sich. Während der Lesung verknüpfte Ira Peter sachliche Analyse und geschichtliche Hintergründe mit eigenen Erinnerungen und Einblicken in russlanddeutsche Lebenswege. Besonders eindringlich war ihre Botschaft, Scham in Stolz zu verwandeln: „Statt die eigene Herkunft zu verleugnen, gelte es, selbstbewusst zur Geschichte zu stehen“, gab sie den Heubacher Schülern mit. Die Schüler stellten viele Fragen, darunter auch solche von Mitschülern mit russlanddeutschem Hintergrund. Für viele war es ein erster tieferer Einblick in eine wenig bekannte, aber große Gruppe unserer Gesellschaft. Schulsozialarbeiter Andreas Dionyssiotis resümierte: „Mit Authentizität und Feingefühl zeigte Ira Peter, wie komplex Identität sein kann – und warum russlanddeutsche Stimmen in der Öffentlichkeit mehr Gehör verdienen.“ Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch die Reinhold-Maier-Stiftung Baden-Württemberg, vertreten durch Dr. Julia Frank.

Zur Person: Ira Peter, 1983 in Kasachstan geboren, lebt seit 1992 in Deutschland. Nach einem Studium der Literaturwissenschaften und Psychologie in Heidelberg und Nizza arbeitete sie zunächst in PR und Marketing, bevor sie sich als freie Journalistin etablierte. Ihre Beiträge erscheinen unter anderem bei ZEIT Online, taz, Frankfurter Rundschau und im SWR. Seit 2017 setzt sie sich verstärkt mit russlanddeutschen Themen auseinander – in journalistischen Texten, sozialen Medien und kulturellen Projekten in Deutschland und der Ukraine. Zudem produziert sie den Aussiedler-Podcast „Steppenkinder“. 2021 war sie Stadtschreiberin von Odessa, 2022 wurde ihr Internettagebuch mit dem Goldenen Blogger-Award ausgezeichnet.

Unser Bild: Als Kind Russlanddeutscher aus Kasachstan fühlte sich Ira Peter lange für ihre Herkunft beschämt. Heute spricht sie offen über die Identität und Zugehörigkeit von Russlanddeutschen und ermutigt junge Menschen in Lesungen und Gesprächen, Scham in Stolz zu verwandeln.