Rosenstein-Gymnasium Heubach
 
Wednesday, September 09, 2026

Holocaustgedenktag 2020

Holocaustgedenktag am Rosenstein-Gymnasium Heubach
 
Vor genau 75 Jahren, am 27.01.1945, erfolgte die Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee. Dieser Jahrestag wird seit 2005 international zum Anlass genommen, um dem Holocaust, besonders seinen Opfern mit deren unterschiedlichen Einzelschicksalen, zu gedenken. Schon seit neun Jahren findet am 27.01. der Holocaust-Gedenktag am Rosenstein-Gymnasium in Heubach statt, der jedes Jahr vom Geschichte-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 2 organisiert wird. 

Von Leonie Brust

Schulleiter Johannes Josef Miller und Elternbeiratsvorsitzende Anneliese Maier sind stolz auf die deutsche Erinnerungskultur an der Schule, zumal das Rosenstein-Gymnasium eine der wenigen Schulen in Deutschland sei, die den Holocaust-Gedenktag kontinuierlich veranstaltet, betonte Miller. Auch in Anbetracht aktueller Ereignisse, wie dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle im vergangenen Oktober, wird die Wichtigkeit des Holocaustgedenktages evident, die Menschen mit den Verbrechen der Nationalsozialisten vertraut zu machen. Entrüstet zeigte er sich zudem über Äußerungen des AfD-Fraktionsvorsitzenden Gauland und dessen Parteigängnern über den Holocaust als "Vogelschiss" der deutschen Geschichte. Das Thema "Antisemistismus und Rassismus" sei in Deutschland wieder aktueller denn je. 
Am Holocaust-Gedenktag stehen Opfer des Nationalsozialismus im Vordergrund, doch über diejenigen, die für diese Verbrechen verantwortlich sind, ist kaum etwas bekannt. Aus diesem Grund wurde Herr Dr. Wolfgang Proske eingeladen. Der Historiker und ehemalige Lehrer hat sich auf die NS-Täter in Baden-Württemberg spezialisiert und bereits in seiner Buchreihe "Täter, Helfer, Trittbrettfahrer" einige Bände über dieses Thema publiziert. 

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Mithilfe der Bücher möchte Herr Dr. Proske das problematische Schweigen über die Verbrecher aufheben. Aufmerksam verfolgten die Schüler der Jahrgangsstufe 1 und 2 den interessanten und umfangreichen Vortrag von Herr Dr. Proske über den NS-Belasteten Gottlieb Hering aus Leonberg. Hering, der in früheren Zeiten als Krimalpolizist in Göppingen sozusagen als "Nazifresser" galt, trat nach der Machtübernahme der Nazis 1933 der NSDAP bei und entwickelte sich schnell zu einem "Musterschüler" und einem der "fähigsten Mitarbeiter" der Nationalsozialisten, wie Heinrich Himmler betont hatte. Hering war maßgeblich an der "Aktion T4" mit den Euthanasiemorden und an der "Aktion Reinhardt", Tarnname für die systematische Ermordung aller Juden und Roma des Generalgouvernements im deutsch besetzten Polen während des Zweiten Weltkrieges, beteiligt, weshalb er ab Mitte 1942 im polnischen Vernichtungslager Belzec als Lagerkommandant und Versuchsleiter tätig war. Belzec galt als "Versuchslager des Massenmords". Insgesamt wurden dort etwa 440 000 - 600 000 Menschen umgebracht, davon ungefähr 350 000 während der Amtszeit Herings. Ab April 1943 war Hering im Arbeitslager Poniatowa Lagerkommandant und für die Altsachenverwertung und die Arbeitssklaven zuständig. Anschließend zog es Hering ins norditalienische Triest, wo er Lagerkommandant im Konzentrationslager Risiera di San Sabba wurde. Da Triest an das Deutsche Reich angeschlossen werden sollte, wurden auch hier die deutschen Judengesetze rechtsgültig. Deswegen war Hering auch in Triest für die Judenvernichtung und die Wiederverwertung jüdischen Vermögens verantwortlich.
Nach dem Vortrag von Dr. Wolfgang Proske waren die Schüler sehr nachdenklich gestimmt, und es war jedem klar, dass so etwas nie wieder passieren darf.