Presseschau 10.03.2015
Gedenken an Winnenden
| Gisela Mayers Bericht bewegt Gedenken an den Amoklauf von Winnenden in Heubach – spannende Suche nach möglichen Ursachen |
| Jahrestage laden zum Erinnern und Gegenwärtigen ein. Genau sechs Jahre liegen die unfassbaren Ereignisse des Amoklaufs an der Albertville-Realschule von Winnenden zurück. 15 Menschen starben. Am Rosenstein-Gymnasium gab es in der Reihe „Gott und die Welt" eine Gedenkveranstaltung. |
Heubach. Der ehemalige Gymnasiallehrer Franz Merkle hatte die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden Gisela Mayer gewinnen können. Sie selbst hatte ihre Tochter bei diesem Amoklauf verloren, die als Referendarin den Schülern zu Hilfe kommen wollte. Religionsschüler der Oberstufe lauschten mit großer Betroffenheit den Worten von Gisela Mayer: „Es war der schwärzeste Tag meines Lebens.... !" |
![]() Frau Gisela Mayer mit Schulleiter Johannes Josef Miller, Franz Merkle und Schülern der Oberstufe des Rosenstein-Gymnasiums |
| Die studierte Philosophin erzählte von den Ereignissen an diesem schlimmen Tag. Eloquent und mit einladendem Pathos verstand sie es sehr beeindruckend, die Schüler an dem schrecklichen Erlebnis teilhaben zu lassen. Mayer beließ es jedoch nicht beim bloßen Schildern dieses Tags, sondern leitete auf die notwendigen Schlüsse und präventiven Maßnahmen über. Mit Hilfe von Ergebnissen der modernen Gehirnforschung zeigte sie die Folgen fehlender Empathie-Entwicklung eines Kinds auf. Wesentlich sei stets der Zugang zu den eigenen Gefühlen eines heranwachsenden Menschen. Dabei sei es besonders wichtig für sie, dass der Mensch in Beziehungen groß werde, um Gefühle „einüben" und pflegen zu können. Dazu gehöre, dass Kinder lernten, mit Frustrationen gut umzugehen. Nach der Frustrationstheorie würden aus nicht bewältigten Frustrationen Aggressionen anderen gegenüber oder gegen sich selbst zu Depressionen führen. Am Beispiel des ehemaligen rechtsradikalen Skinheads Johannes Kneifel, der einen Mann totgetreten hatte, zeigte Mayer auf, dass das Streben nach Anerkennung und Freundschaft mit eine der stärksten Motivation sei, die sich auch äußerst negativ artikulieren könne. Doch es sei nie zu spät zur „Umkehr", so sei dieser Mörder inzwischen ein evangelischer Pfarrer geworden. Eine Schülerin nannte als weiteres Beispiel die Dschihad-Krieger, die im Streben nach Anerkennung ohne Mitgefühl grausam mordeten. Gisela Mayer appellierte an Eltern und Lehrer gleichermaßen: „Wir brauchen zur Erziehung von jungen Menschen ganz dringend das liebevolle Gegenüber, das Grenzen aufzeigt!" Ein weiterer Schwerpunkt von Mayer war der unreflektierte und übermäßige Medienkonsum. Sie zeigte auf, wo dieser gefährlich werden könne. Mit der psychologischen Begrifflichkeit „Priming" zeigte sie den Schülern die Gefahren auf, die im Einleben und wiederholten Üben der virtuellen Welt entstehen könnten. Gleichsam würden diese „Gehirnautobahnen" in selbstverständliche Verhaltensweisen führen, die gerade bei virtuellen Gewaltspielen einen jungen Menschen die Realtität vergessen ließen und dann mitunter in der Realität ohne jegliche Empathie ausgelebt würden. Wiederum wurde aus dem Publikum die Dschihadisten genannt. Mit großem Engagement beteiligten sich die Schüler des Gymnasiums an der Aussprache. Gisela Mayer gelang es, die Schüler mit ihrer eigenen Lebenswelt in Bezug auf Sozialverhalten und Medienkonsum zu reflektieren. Schulleiter Johannes Josef Miller, ob der Ausführungen sichtlich berührt, dankte der Referentin. Das Leitbild der Schule und das ausgeprägte Sozial-Curriculum sei auch den Geschehnissen in Winnenden geschuldet, zumal das Rosenstein-Gymnasium als eines der ersten dem Präventionsprogramm der Landesregierung „stark, stärker, Wir!" beigetreten sei, das in direkter Folge des Amoklaufs entwickelt worden sei. Zwei kurzweilige Schulstunden vergingen schnell wie im Fluge. © Gmünder Tagespost 10.03.2015 |





