Rosenstein-Gymnasium Heubach
 
Thursday, October 28, 2021

Trauerrede für Hans-Joachim Jauernig


Hans-Joachim Jauernig
Im Dezember verstarb völlig überraschend der ehemalige Schulleiter des Rosenstein-Gymnasiums, Hans-Joachim Jauernig. Wir veröffentlichen die Trauerrede von Stellvertreter Bernhard Abele

Sehr geehrte Frau Jauernig, sehr geehrte Verwandte und
Freunde des Verstorbenen, sehr geehrte Trauergemeinde!

Ungläubig, bestürzt, betroffen, fassungslos reagierte die Schulgemeinschaft des Rosenstein-Gymnasiums auf die uns am 19. Dezember erreichende Nachricht, dass ihr Ehemann und unser ehemaliger Schulleiter Hans-Joachim Jauernig völlig überraschend verstorben ist. Just am Morgen dieses Tages erhielt die Schule per Post seine Weihnachts- und Neujahrsgrüße. Anlässlich seiner Verabschiedung vor nicht einmal 2 ½ Jahren in den Ruhestand erhielt er viele gute Wünsche für seinen Ruhestand, immer verbunden mit dem Zusatz „vor allem Gesundheit". Diese Wünsche haben sich leider nicht erfüllt. Kurz vor Weihnachten hat ganz plötzlich sein Herz aufgehört zu schlagen. Viel zu früh, als dass er seinen verdienten Ruhestand zusammen mit ihnen, Frau Jauernig, hätte richtig genießen können, zu kurz war die Zeit, die ihnen zusammen im Ruhestand blieb.

Hans-Joachim Jauernig war ausgesprochen gerne Lehrer und Schulleiter am Rosenstein-Gymnasium, deshalb ging er erst kurz vor seinem 66. Geburtstag in den Ruhestand. So ging mit seiner Verabschiedung im Juli 2011 eine lange, eine sehr lange Ära zu Ende. Es ist nichtübertrieben, dies war eine für das Rosenstein-Gymnasium sehr erfolgreiche und prägende Zeit. Dass Herrn Jauernig die Verabschiedung in den Ruhestand nicht leicht und die Übergabe des Amtes des Schulleiters schwer fiel, hatte natürlich seine Gründe:

1984 hat Herr Jauernig die Leitung des damaligen Gymnasiums Heubach in einer schwierigen Zeit übernommen. Die Schule war zwar gut verwaltet, aber durch seine Vorgängerin wurde sehr viel Vertrauen verspielt, der Ruf der Schule hat darunter sehr gelitten.

Herrn Jauernig ist es aber gelungen, zusammen mit dem Lehrerkollegium das Gymnasium Heubach aus der Talsohle mit nur 360 Schülern herauszuführen, bei den Eltern verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, so dass das Rosenstein-Gymnasium - an dieser Namensgebung war der Verstorbene auch maßgeblich beteiligt - zu einer Bildungseinrichtung wurde, in die Schüler gerne gehen, in der Lehrer gerne unterrichten und in der Eltern ihre Kinder gut aufgehoben wissen.

Durch seine tolerante und ausgleichende Art gelang es Herrn Jauernig stets, den Schulfrieden zu erhalten. Als Schulleiter hielt er die Fäden fest in der Hand, wobei - und das war seine besondere Begabung - wobei diese Fäden meist nicht zu sehen und für alle am Schulleben Beteiligten meist auch nicht zu spüren waren. Diese Fäden wurden aber dann sicht- und spürbar, wenn er der Schule einen neuen Impuls geben wollte bzw. wenn an der Schule etwas nicht in seinem Sinne lief: Pünktlichkeit, Höflichkeit, Toleranz waren Tugenden, die er immer sehr hoch schätzte und auch einforderte. So war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, morgens Schüler zu grüßen, auch wenn diese ihn nicht gegrüßt hatten. Schüler, die ohne Gruß, dafür aber mit Mütze und Kaugummi das Sekretariat oder Rektorat betreten haben, hat er stets unmissverständlich auf ihr Fehlverhalten hingewiesen. Alle Schüler, die er nach dem Klingeln zum Unterrichtsbeginn noch auf dem Flur antraf, kannten schon seinen Spruch: Habt ihr jetzt keinen Unterricht?

Allen am Schulleben Beteiligten war sein Engagement, sein Einsatz für und seine Präsenz in der Schule bekannt. Fast jeden Samstag- oder Sonntagvormittag war Herr Jauernig an der Schule, um Dienstgeschäfte in aller Ruhe erledigen zu können. Da dies bekannt war, hat es ihn auch nicht verwundert, dass Eltern am Sonntagvormittag in der Schule anriefen und das Gespräch mit ihm suchten.

Eine seiner großen Stärken war, dass er erkannte, dass an einer Schule, die nicht bereit ist, sich weiter zu entwickeln, neue Konzepte zu entwickeln, neue Fächer auszuprobieren, dass an so einer Schule das Engagement der Schüler, der Eltern und auch des Kollegiums nachlässt, was für die Schule Stillstand, ja sogar Rückschritt bedeutet. Infolgedessen hat er selbst Impulse gesetzt und alle Bestrebungen unterstützt, unsere Schule vorwärts zu bringen.

Als erste Schule im Altkreis Schwäbisch Gmünd z.B. haben wir einen Sprachenzug eingeführt, der es unseren Schülern ermöglicht, drei moderne Fremdsprachen - Englisch, Französisch, Spanisch - zu lernen. Auch bei der Einführung des Faches Naturwissenschaft und Technik in der Mittelstufe, als Testschule für dieses Fach in der Oberstufe im Rahmen des Seminarkurses waren wir in vorderster Linie. Der Wunsch nach Einführung der Fächer Technik für Jungen, Technik für Mädchen hat bei ihm offene Ohren gefunden. Auch für die Mitwirkung unserer Schule bei der Schüler-Ingenieur-Akademie sowie bei der Junior-Ingenieur-Akademie hat er gerne die Patenschaft übernommen. Stolz war Herr Jauernig, dass sein Gymnasium Schulpartnerschaften bzw. Kontakte zu Schulen außerhalb Deutschlands pflegte, z.B. nach Laxou, Tarragona, Grenoble, Ptuj, Avignon, Brünn, Edirne. Große Hochachtung zollte er den vielen Schülern, die in den verschiedensten Landes- und Bundeswettbewerben, Sprach- und Sportwettbewerben Preise gewinnen konnten. Im Schulverein SaRose sah er eine Bildungsinstitution, die generationsübergreifend Interessierte in und außerhalb des Rosenstein-Gymnasiums zusammenführt.

Herrn Jauernig war es immer ein großes Anliegen, dass alle zu dem Projekt Schule Gehörenden gut und harmonisch zusammenarbeiten. Deshalb schätzte er unseren Schüler-Eltern-Lehrerchor, in dem Schüler, Eltern und Lehrer recht erfolgreich zusammen musizieren und der mit zu einem Aushängeschild unserer Schule geworden ist. Seine Wertschätzung für die Arbeit dieses Chores drückte er durch Konzertbesuche in und auch außerhalb Heubachs aus, so war er auch bei der ersten Auslandsreise des Chores nach Laxou dabei. Besonders stolz war Herr Jauernig, dass es ihm in seinem letzten Dienstjahr gelang, die Schulsozialarbeit am Rosenstein-Gymnasium zu verankern.

Das Gesicht des Rosenstein-Gymnasiums hat sich in den letzten 10 Jahren seiner Dienstzeit stark verändert: Das bisherige Schulgebäude musste infolge der steigenden Schülerzahlen durch einen Erweiterungsbau vergrößert werden, die Rosensteinsporthalle löste die Stadthalle als Sporthalle ab, eine Mensa wurde durch die Einführung des Ganztagesbetriebs notwendig.

Dieser Rückblick auf sein Lebenswerk zeigt, warum Herrn Jauernig der Abschied von der Schule nicht leicht fiel. Zu sehr war er mit dieser seiner Schule verbunden. Die Abnabelung von unserer Schule brauchte Zeit. Anfangs sahen wir ihn fast täglich an der Schule vorbeifahren, immer mit Blick Richtung Lehrerzimmer und Sekretariat. Immer wieder hielt er an und kam auf ein kurzes Gespräch ans Sekretariatsfenster. Dabei zeigte er sich immer bestens über Schulinterna informiert. Diese Besuche haben im Laufe dieses Schuljahres abgenommen, sein Interesse an Vorgängen in unserer Schule blieb aber bestehen.

So müssen wir jetzt Abschied nehmen von Hans-Joachim Jauernig, der wie kein anderer unsere Schule geprägt hat und - dies ist jetzt keine Floskel - der sich somit um unsere Schule verdient gemacht hat. Uns bleibt die Erinnerung an sein Wirken, an viele Begegnungen, gesellige Zusammenkünfte sowie an die sehr gute, immer angenehme Zusammenarbeit mit ihm. Ich möchte mich nochmals im Namen der ganzen Schulgemeinschaft bei Hans-Joachim Jauernig für sein Lebenswerk bedanken und ich möchte mich von ihm mit dem Gruß verabschieden, der am Tage seines Abschieds von der Schule für ganz Heubach sichtbar am Rosenstein zu lesen war:

Bye bye JJ. Ruhe in Frieden!